Die Lutherin

Grandiose Darstellung: Mirjana Angelina als Katharina Lutherin zu Wittenberg in der Schlosskirche von
Bad König

Bad König. „Stellt euch vor, es gäbe das weibliche Geschlecht nicht. Das Haus und was zum Haushalt gehört, würde zusammenstürzen, die Staaten und Gemeinden gingen zugrunde. Die Welt kann also ohne Frauen nicht bestehen, sogar wenn die Männer die Kinder selbst auf die Welt bringen könnten.“ Zitat aus den „Tischreden“ von Martin Luther. Mutig, dass ein Mann im 16. Jahrhundert eine solche Meinung zum Wert einer Frau vertrat. Denn im ausgehenden Mittelalter stand das Weib nur in geringem Ansehen. Sie sollte dem Manne untertan sein, denn sie galt von Natur aus als minderwertig und nicht geschaffen für ein „gottgefälliges“ Leben. Mit diesem Frauenbild hatte auch die ehemalige Nonne Katharina von Bora zu leben. Als Martin Luthers Frau, Hochzeit war im Jahre 1525, zertrümmerte sie das frauenfeindliche Bild und ging als Katharina Lutherin zu Wittenberg in die Weltgeschichte ein. In den Augen der Katholiken war die Ehe des „Ketzers“ Luther mit der abtrünnigen Nonne eine Ehe des Teufels. Den öffentlichen Anfeindungen zum Trotz entwickelte sich im Laufe der Jahre eine gegenseitig respektvolle Liebe sowie eine große Familie. Die Luthers hatten 6 Kinder und bauten einen veritablen Wirtschaftsbetrieb auf rund um das „Schwarze Kloster“, dem Wohnsitz der Familie in Wittenberg. Lenkender Geist und Motor dieses privaten Glücks war die Lutherin selbst, die als Mutter, Heilpraktikerin, Gärtnerin, Lehrerin und Wirtschafterin für das Wohl der Familie sorgte. Zum 500. Reformationsjubiläum rückt auch sie in den Fokus der Reformationsgeschichte. So am vergangenen Samstag in der Schlosskirche zu Bad König.

Die Schauspielerin Mirjana Angelina zeigte in einer 90minütigen Szenenfolge in faszinierender Weise die wichtigsten Stationen des Lebens der Luthers. Alleine auf der Bühne führte sie mit Zeitgenossen Luthers den Dialog, lachte, stritt, weinte, sang und tanzte. 90 Minuten – und nicht eine davon war langweilig. Hervorragend auch die Licht- und Tonregie sowie das puristische Bühnenbild. Das Publikum war gebannt von diesem Auftritt und der Aura der Katharina Lutherin zu Wittenberg. Neben glänzender Unterhaltung konnte der Zuschauer sich durchaus in diese Zeit hineinversetzten und mit der Lutherin Weltgeschichte miterleben. Wer es mit so geringen Mitteln schafft, solch wirkungsvolle und großartige Kunst auf die Bühne zu bringen, der ist ein Meister seines Faches. Kultur auf höchstem Niveau und das im Rahmen der 1.200 Jahrfeiern in Bad König und dank der Initiative des evangelischen Pfarrers Martin Hecker und seiner Gemeinde. Die Aufführung in der Kirche mit dem spätbarocken Langhaus und dem spätgotischen Turm war präzise der passende Ort für diese herrliche, mitreißende Mittelaltergeschichte.

Text/Bild: Dieter Preuss

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